German edition: Sternegucken am Mount John, Lake Tekapo (mit Video)

Normalerweise fällt einem ja zuallererst die Church of the Good Shepherd ein, wenn man Lake Tekapo hört, die wunderschöne kleine Kapelle am steinigen Ufer des spektakulären Lake Tekapo auf der Südinsel Neuseelands. Und natürlich der See selbst. Aber wenn es dunkel wird in Tekapo, darf man sich auf ein Erlebnis der besonderen Art freuen: Sternegucken am Mount John.

Lake Tekapo liegt im Mackenzie Country. Auf dem State Highway 8 liegt es auf der Südinsel-Reiseroute von so manchem Besucher, der von Christchurch nach Queenstown fährt. Die Schönheit des Sees und die malerische Kapelle sind geradezu wie geschaffen für atemberaubende Landschaftsaufnahmen und wohl jedem eine kleine Pause auf der Reise wert. Und genau dabei bleibt es auch für die meisten Reisenden: bei einem landschaftlich reizvollem Raststop mit Abreise am gleichen Tag.

Church of the Good Shepherd, Lake Tekapo, New Zealand

Church of the Good Shepherd, Lake Tekapo, New Zealand

Und dennoch sollte man sich wirklich ernsthaft überlegen, dort zu übernachten. Und das nicht nur wegen des fantastischen Thai Restaurants Thai Tekapo, sondern wegen einer ganz besonderen nächtlichen Beschäftigung, der man nur hier im kleinen Tekapo nachgehen kann: Sternegucken am Mount John Observatorium!

Ich würde jedem empfehlen, die Sternwartetour mit Earth & Sky zu buchen. Der Veranstalter bietet jeweils zwei Touren zum Sternegucken pro Nacht, die in Tekapo am späten Abend starten, wenn das Wetter passt. Am besten bucht man ein bisschen im Voraus, da während der Hochsaison im Sommer nicht immer genügend Plätze am gleichen Abend vorhanden sind.

Mount John Observatory, Lake Tekapo, New Zealand

Mount John Observatory, Lake Tekapo, New Zealand

Zu Beginn der Tour werden die Sternengucker mit einem Minibus im Ortszentrum abgeholt. Während der 15-minütigen Fahrt zum Mount John erklärt der Fahrer einige kuriose und wichtige Details zur Tour. Auf halber Höhe des Berges schaltet der Fahrer dann die Scheinwerfer des Autos komplett ab, um den Nachthimmel nicht mit Licht zu “verschmutzen”. Man will ja schliesslich nicht, dass die fleissigen Astronomen mit ihren hochsensiblen Teleskopen das Scheinwerferlicht als neuen Stern am Himmel “entdecken”…!

Es gibt nicht viel Lichtverschmutzung in der Region von Mackenzie, und die Strassenlampen in Tekapo sind von solch niedriger Intensität, dass sie die Teleskope der Sternwarte nicht beeinträchtigen. Ausserdem ist Mt John der perfekte Standort für ein Observatorium wegen der sehr hohen Anzahl von sternenklaren Nächten im Jahr.

Um die Lichtverschmutzung minimal zu halten, müssen Besucher ihre Mobiltelefone und andere leuchtende oder beleuchtete Gegenstände ausschalten. Taschenlampen sind auch nicht erlaubt, und so wird die Gruppe in absoluter Finsternis am Parkplatz oben auf dem Berg von einer Gruppe von Tourguides abgeholt, damit man auch ja seinen Weg zum Observatorium findet. Und das ist auch wirklich notwendig, nicht nur weil es dort oben absolut gar kein Licht gibt, sondern auch weil die Teilnehmer sofort vom unglaublich klaren Sternenhimmel abgelenkt sind.

Die Tour an sich ist höchst informativ, unterhaltsam und beeindruckend, da sie von den Wissenschaftlern selbst geführt wird. Sie können alle Fragen zum Nachthimmel der südlichen Hemisphere beantworten, zeigen einem das “Southern Cross”, das Kreuz des Südens, die Magellanschen Wolken, und so weiter. Klar ist es auch spannend, durch die Teleskope zu schauen, aber eines der Highlights der Tour ist definitiv… der Laser-Pointer!

Der Tourguide benützt einen extrem starken Laser-Pointer, der dem Pointer für eine Meeting-Präsentation nicht unähnlich ist. Das erlaubt ihm direkt auf den Stern zu zeigen, über den er gerade spricht. Absolut faszinierend. Ich bin mir sicher, Mr. Spock würde mir da zustimmen. Im Video von Earth and Sky unten kann man kurzzeitig grüne Linien blitzen sehen. Das sind die Laser!

Die Atmosphäre während der Tour ist fantastisch. Es ist stockdunkel, und man lernt die anderen Teilnehmer und Tourguides, deren Gesichter man nicht erkennen kann, nur durch ihre Stimmen kennen. In der Stille und absoluten Geräuschlosigkeit vergisst man komplett die Zeit und andere Belange. Würde nicht die unglaublich leckere heisse Schokolade zur Halbzeit serviert, würde man gar nicht merken wie kalt es dort oben sogar im Sommer werden kann!

Auch während des Tages ist die Aussicht vom Mount John spektakulär, mit dem klitzekleinen Unterschied, dass man nach unten schaut anstatt nach oben. Und man bedenke: nicht nur ist es angenehmer fürs Genick wenn man die 360 Grad Aussicht über Mackenzie Country geniesst, man kann endlich auch einmal die Panoramaeinstellung der Kamera verwenden! Ausserdem gibt es auch das Astro Cafe mit Innen- und Aussenbereich und Tours und Führungen des Observatoriums während des Tages für diejenigen Astronomieinteressenten, die nicht unbedingt Sternengucken wollen.

Ob man die nächtliche Stargazing Tour macht oder nicht: ein Stop am Mt John gehört zu einem Tekapo Besuch einfach dazu. Man wird sicherlich nicht enttäuscht sein!

Christina Hegele

About the author: Christina Hegele runs Sandal Road, a blog on her favourite destinations. It just so happened that 95% turned out to be about New Zealand. Follow Christina and her blog on Twitter, like her blog on Facebook, and subscribe to her Youtube channel. Alternatively, subscribe to her email newsletter at the top right of this blog.

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